Herausragende Künstler*innen verwandeln das gerade mal zwölf Kilometer nördlich der Stuttgarter Innenstadt gelegene Ludwigsburg jeden Sommer in eine lebendige Festivalstadt von internationalem Charakter. Im Zentrum steht stets die Musik, aber auch weitere Bühnenerlebnisse bereichern die Schlossfestspiele. Diesmal bezaubert die Tero Saarinen Company mit dem Tanzstück „Borrowed Light“ – einem Klassiker der Choreografie aus Finnland mit durchaus originellem Inhalt: den Werten und Ritualen der freikirchlichen christlichen Glaubensgemeinschaft der „Shaker“.
Tero Saarinens Stück wurde 2004 uraufgeführt und war in den darauffolgenden elf Jahren über achtzig Mal weltweit an namhaften Veranstaltungsorten zu sehen. Und zu hören: Die Choreografie wird durch den Gesang des legendären Ensembles The Boston Camerata getragen – so natürlich auch bei der Ludwigsburger Aufführung. Diesen Musiker*innen ist auch die Entstehung des Tanzstückes vor über zwanzig Jahren zu verdanken: Tero Saarinen berichtet, dass er durch das Hören geistlicher Gesänge in einer Aufnahme der Camerata geradezu den Drang verspürt habe, seine Eindrücke in eine Choreografie umzusetzen: „Die Musik schuf die Bilder, gab mir den Impuls, eine Darstellung für die Gemeinschaftlichkeit, die Selbstvergessenheit, die absolute Hingabe zu finden.“
Tiefe religiöse Hingabe charakterisierte nämlich die – nach ihrem ekstatischen Schütteltanz benannten – Shaker, bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine der größten Glaubensgemeinschaften Nordamerikas. Getreu der Devise „Hands to work, hearts to God“ sahen diese Fleiß, das Streben nach handwerklicher Perfektion und das Arbeiten als solches als höchste Form des Gottesdienstes an. Die Shaker waren bekannt für die schlichte Schönheit ihrer Architektur und der Gegenstände, die sie herstellten: „Borrowed Light“ – „geborgtes Licht“ spielt auf die Bezeichnung für Fenster in Innenräumen an, mit deren Hilfe eindringendes Tageslicht so weit wie nur möglich in Gebäuden genutzt wurde. Frauen und Männer waren in der Gemeinschaft gleichgestellt. Dass die Shaker strikte Geschlechtertrennung, Ehelosigkeit und somit auch Kinderlosigkeit praktizierten, führte allerdings auch dazu, dass ihre Mitgliederzahl beständig sank und sie heute nur noch ein geschichtliches Phänomen sind.
„Borrowed Light“ ist außer in Ludwigsburg am 23. und 24. Juli auch noch – als Österreichische Erstaufführung – bei den Bregenzer Festspielen zu sehen.
Ludwigsburger Schlossfestspiele 2025:
Programm aus Finnland
20.7. 17 Uhr: Tero Saarinen Company und Boston Camerata, „Borrowed Light“ | Forum am Schlosspark
27.7. 18 Uhr: Aurora Marthens, Sopran, & Osmo Tanner, Klavier: Werke von Wagner, R. Strauss, Sibelius und Mozart | Seeschloss Monrepos
Tickets: www.schlossfestspiele.de
Marion Holtkamp
marion.holtkamp@finstitut.de
Kuvat/Fotos: Jonas Lundqvist

