Die Bundeszentrale für politische Bildung definiert Femizid als die Ermordung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts. In Deutschland lesen wir mittlerweile täglich von Femiziden und geschlechtsspezifischer Gewalt. Doch warum wird dies erst seit kurzer Zeit öffentlich thematisiert? Aleida Luján Pinelo, Postdoktorandin an der Juristischen Fakultät der Universität Turku, setzt sich seit Jahren wissenschaftlich mit dem Phänomen des Femizids insbesondere in Deutschland auseinander.
Die aus Mexiko stammende Wissenschaftlerin promovierte 2024 an der Universität Turku mit ihrer Dissertation „Extreme forms of violence against women in Europe. Femi(ni)cide in Germany”. Sie ist Mitgründerin des unabhängigen Forschungsprojekts „Feminizidmap”, einer Datenbank, in der Femizide in Deutschland dokumentiert werden.
Der Aktivismus und das Bewusstsein für eine feministische Gesellschaft haben in den letzten Jahren in der BRD zugenommen. Femizide werden derzeit auch von Kampagnen wie „Femizide_stoppen” erfasst: „Wir zählen Femizide in Deutschland, um auf das strukturelle Problem aufmerksam zu machen, denn Frauenmorde sind keine Einzelfälle sondern haben System.“ Aber worin besteht dieses „System“?
Gemeint sind die patriarchalische Gesellschaft und ihre geschlechtsspezifischen Machtverhältnisse. Nach diesem Verständnis ist die Frau dem Mann untergeordnet und wird oft als Besitz betrachtet. Wenn die Frau sich beispielsweise von ihrem Partner trennen möchte, kommt es in vielen Fällen zu psychischen und physischen Übergriffen. Die höchste Stufe dieser Gewalt ist der Femizid. Es sollte stets präsent sein, dass Betroffene geschlechtsspezifischer Gewalt die Möglichkeit haben, kostenlos mit Expert*innen und Menschen in der gleichen Situation Kontakt aufzunehmen. Beispielsweise kann man sich an das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ oder die „Fachberatungsstelle Dolle Deerns“ wenden, aber auch an die nächstgelegene feministische Aktivist*innengruppe.
Femizide finden nahezu täglich statt und betreffen Frauen allen Alters und aus allen sozialen Schichten. Der deutsche Staat und sein Gesetz haben sich nicht als fähig erwiesen, mit dem gesellschaftlichen Problem der Femizide umzugehen, sondern haben eher zu deren Nichtwahrnehmung beigetragen. Wer hingegen dem Phänomen Femizid Gehör verschafft hat, sind Organisationen wie z.B. Ni Una Menos, Kampagnen wie Femizide_stoppen und Projekte wie Luján Pinelos Feminizidmap.
Eemil Gan
Praktikant am Finnland-Institut
- www.dolledeerns-fachberatung.de
- www.feminizidmap.org
- www.hilfetelefon.de
- www.instagram.com/femizide_stoppen
- www.instagram.com/niunamenosberlin
Den Blogbeitrag von Aleida Luján Pinelo können Sie in deutscher, finnischer, schwedischer und englischer Sprache auf www.finnland-institut.de nachlesen.

